Stammesgeschichte

Kurzchronik

Wormser Pfadfindergeschichte - Stamm Nibelungen Worms (VCP)

1910 wird in Worms eine wohl kleine Ortsgruppe des Wandervogel, Deutscher Bund (WVDB) gegründet (Kindt 1968: S. 1081). Doch bis auf deren - wenn überhaupt - wahrscheinlich nur einige Jahre währende Existenz sind weitergehende Informationen nicht bekannt.

Um 1911 ensteht am Altsprachlichen Gymnasium, dem heutigen Rudi-Stephan-Gymnasium, der „Wanderverein der Pfadfinder“. Der Verein scheint weniger Pfadfindergruppe als vielmehr wandervogelähnlich zu sein, wobei er jedoch von Lehrern geleitet worden zu sein scheint. Den Unterlagen des Wormser Stadtarchivs zum „Wanderverein der Pfadfinder“ zufolge existierte 1913/14 in Worms keine Wandervogelgruppe mehr in Worms.

1922 wird die erste Wormser CP-Gruppe gegründet. Um das alliierte Verbot von Pfadfindergruppen zu umgehen, bezeichnet sie sich als „Tatgemeinschaft“. Vermutlich löst sich diese 1924 wegen starker Repressionen seitens der Alliierten auf. Mitauslöser dazu war auch das Verbot von CP-Gruppen außerhalb des CVJM durch den Reichsführer der CP. Unter den Führern der ersten Wormser CP-Gruppe war Hermann Haaß.

16.11.1928 – Die Siedlung Nibelungen wird im heutigen Martin-Luther-Saal im Gemeindehaus der Lutherkirche von Karl-Ernst Rheinfurth und seinem Vetter Emil Krüger gegründet. Die Nibelungen treffen sich im Gemeindehaus der Dreifaltigkeitsgemeinde sowie in der Lutherkirche.

29.06.1929 – Aus der Siedlung wird auf dem Bundeslager der Bundespfadfinderschaft Hessen der Stamm Nibelungen, Karl-Ernst „Knorze“ Rheinfurth wird der erste Stammesführer eines aus sechs Personen bestehenden Stammes.

03.01.1930 – Emil „Tschang“ Krüger wird zweiter Stammesführer.

29.03.1931 – Dritter Stammesführer wird Alfred „Ali“ Schwindt.

01.08.1931 – Walter „Waho“ Hotz wird Stammesführer und in der Sippe Dankwart beginnt im Jahr 1931 die Knappenarbeit.

01.11.1931 – Heini Herold vertritt Walter Hotz als Stammesführer. Um die Jahreswende 1931/32 gibt es Meinungsverschiedenheiten mit den Wormser Pfarrern, zeitweise wird der Zugang zu den Kirchenräumen verwehrt. Die Gründe hierzu liegen wahrscheinlich in der Frage des Verhältnisses der CP zur CVJM und den allgemeinen Unabhängigkeitsbestrebungen der CP.

17.04.1932 – Otto „Koio“ Seipel wird Stammesführer. Der Stamm Nibelungen veranstaltet eine große Frankreichfahrt über das Elsaß, die Champagne, Reims und über Metz zurück nach Worms.

19.09.1932 – Karl-Ernst Rheinfurth übernimmt erneut das Amt des Stammesführers.

25.10.1932 – Karl „Föz“ Hartmann wird sein Nachfolger.

Am 28.06.1933 wird der Stamm Nibelungen aufgelöst. Die Jüngeren werden in Jungvolk und Hitlerjugend (HJ) überführt, die Älteren bleiben in der CP.

In der oben skizzierten Zeit hat der Stamm Nibelungen die Mitgliederzahl von 50 Personen nie überschritten. Desweiteren fand jedes Jahr jeweils am 11. August, dem Verfassungstag der Weimarer Republik, ein Sommerlager statt. Aufgrund der hohen Anschaffungskosten konnten keine Kohten verwendet werden, stattdessen nutzte man alte Militärzeltbahnen, welche von Privatpersonen zur Verfügung gestellt wurden.

Nach 1945 existiert seitens der franzosischen Besatzungsregierung Widerstand gegen den Aufbau neuer Pfadfindergruppen.

1946 – Auch aus diesem Grund übernimmt auf Bitten des Hochheimer Pfarrers Jobst „Jobo“ Bodensohn der politisch unbelastete Wormser Bürger Siegfried von Heyl eine Bürgschaft für den Aufbau einer geordneteten Jugendarbeit. Jobst Bodensohn gründet so die Bibelkreisjugend (BK-Jugend). Es kommt zu einem ersten Jugendtreffen der BK-Jugend auf dem alten Hochheimer Friedhof und zum Eklat: Die angefertigten Liederblätter enthalten das Lied „Wach auf, wach auf, du deutsches Land“. Die Liedblätter müssen infolgedessen eingestampft werden.

1947 erscheint unter Federführung der Landesmark Hessen die Zeitschrift „Jungenland“ mit einer Auflage in Höhe von 2500 Exemplaren, für welche die beiden Wormser Altpfadfinder Herrmann Haaß und Walter Hotz etliche Beiträge verfassen.

1948 – Unter anderem entsteht aus Teilen der BK-Jugend sowie dem Werben dessen Leiters Jobst Bodensohn der Stamm Nibelungen. Der neue Stammesführer heißt Alfred „Bolle“ Bolfraß und im Sommer 1948 findet bereits eine Teilnahme am Bundeslager der sich ebenfalls wieder neu konstituierenden CP statt. Außerdem teilt sich der Wormser Stamm Nibelungen in die Stämme Nibelungen (Worms) und Martin Luther (Worms-Hochheim) auf.

1949 – Norbert „Nowo“ Wolf leitet die Nibelungen als Stammesführer.

1950 – Der CPler und Pfarrer Hermann Haaß kommt nach Worms und bleibt bis zu seinem Tod treibende Kraft in den Wormser Stämmen sowie darüberhinaus in der CP. Als Schriftleiter unserer Verbandszeitschrift „Auf neuem Pfad“ sowie der Zeitschrift „Jungenland“ entstehen in Worms zahlreiche Artikel. Darüberhinaus veröffentlicht Herrmann Haaß in der mittlerweile umstrittenen „Kreuzwacht“ programmatische Artikel wie „Weg und Aufgabe des Bundes“.

1951 folgt eine Osterradtour nach Franken und einigen „Nilus“ wird die Teilnahme am World Jamboree in Österreich ermöglicht. 1952 erfolgt eine weitere Teilung der Nibelungen in die Stämme Nibelungen, Johann Friedrich Seidenbender und Leonhard Brunner. Zudem entstehen auf Grundlage dieser „Nibelungen“-Stämme in den 50er Jahren weitere Neuanfänge und Siedlungen im Wormser Raum und in der gesamten Region, welche jedoch meist nur einige Jahre währen.

24.03.1952 – Hanns-Dieter „Hadi“ Lohnes wird Stammesführer. Der Stamm unternimmt eine Osterradtour durch Hunsrück, Eifel und Pfalz und es folgt noch eine Sommerfahrt im Schwarzwald.

1953 – Uwe Möller leitet den Stamm. Das Sommerlager findet im Westerwald statt. Zudem organisiert Pfarrer Hiller (Luthergemeinde) - wahrscheinlich 1953 - eine Skifreizeit am Kniebis im Schwarzwald.

1955 – Wolf-Dieter „Fischi“ Fischer wird Stammesführer und erneut nehmen einige Stammesmitglieder an einem World Jamboree teil – diesmal in Kanada.

1957 – Dieter „DieDie“ Dieball wird Stammesführer und ist für die technische und graphische Gestaltung einer von dem Wormser Pfadfinder Til Schrecker initiierten und monatlich erscheinenden Gauzeitung. Til Schrecker ist zu diesem Zeitpunkt Gauführer unseres Gaues Alt-Burgund.

1957 – Der Stamm Nibelungen beteiligt sich am Aufbau des Starenkastens bei Lindenfels im Odenwald und darf seitdem kostenlos beziehungsweise zu ermäßigten Preisen dort wohnen.* (Fußnote: Aufgrund der 77er Aufspaltung des Stammes Nibelungen in VCP sowie CPD-Nibelungen gilt dieses Sonderrecht allerdings wahrscheinlich nur noch für die in der Bergkirche befindlichen CPD-Nibelungen.)

1957 – Der Stamm unternimmt desweiteren Kriegsgräbersuchfahrten in Südfrankreich und nimmt erneut an einem World Jamboree teil. Auf das Jomboree in England sind mit Gernot Schnellbacher und Heinz „Heio“ Obenauer zwei Nibelungen vertreten.

1958 – In diesem Jahr beteiligen sich die Wormser Stämme als Mitarbeiter am Bundesführerlager in der Rhön.

18.11.1959 – Walter „Wasa“ Sander wird Stammesführer.

1960 – Der Stamm unternimmt erneut Kriegsgräbersuchfahrten in Südfrankreich.

1962 – Peter „Hinze“ Heizmann wird Stammesführer; Kriegsgräbersuchfahrten in Yugoslawien.

1964 – Heinz Böhm wird Stammesführer.

15.02.1965 – Gerhard Goebel wird Stammesführer.

01.12.1966 – Das Turmstübchen in der Lutherkirche wird eingeweiht und im Gegensatz zum alten Kellerstübchen können die Sippenstunden nun mit Tageslicht bestritten werden.

1967 – Ein neuer Stammesbanner wird (ein)geweiht. 1968 – Horst Kliebe wird Stammesführer.

1969 – Volkhart Binner wird Stammesführer.

1970 – Til Schrecker wird Stammesführer und der Stamm geht von Bensheim nach Miltenberg quer durch den Odenwald auf eine Osternfahrt.

1971 – Reinhard Wirth wird Stammesführer.

1972 – Rolf-Martin „Roma“ Lenz wird Stammesführer.

1973 – Das Germanenlager findet statt! Sehr zum Entsetzen aller Mütter, denn so werden deren Küchen zum Auskochen von Rinderschädeln für urige Trinkbecher zweckentfremdet.

1973 – Der Verband Christlicher Pfadfinder entsteht durch einen Zusammenschluss der anschließend historisch zu nennenden Christlichen Pfadfinderschaft Deutschlands (CPD), des Bundes Christlicher Pfadfinderinnen (BCP) und des Evangelischen Mädchen-Pfadfinderbundes (EMP). Aus dem Wormser CP Stamm Nibelungen wird der VCP Stamm Nibelungen.

1974 – Der Stamm nimmt gemeinsam mit insgesamt weiteren 1.500 Pfadfinder an einem Ritter- und Bauernlager teil und kann seinen damaligen Ruf als berühmt-berüchtigte Konstruktionenbauer weiter ausbauen.

1975 – Herausgabe der ersten Stammeszeitung.

1976 – In Horchheim gründet sich mit der VCP Siedlung Hagen von Tronje eine Abspaltung der Wormser Nibelungen. Die Siedlung Tronje bezieht zunächst bis 1978 ein Stammesheim in der Friedrichskirche. Danach folgt das noch heutige Stammesheim Höhlchen im Gemeindezentrum Horchheim. Sechs Jahre nach der Siedlungsgründung wurde die Siedlung 1982 zum Stamm Grafen von Eberstein aufgenommen.

01.05.1977 – An diesem Tag treten enttäuschte, ehemalige CPD-Mitglieder aus dem VCP aus und gründen eine neue CPD. Aus diesem Grund muss - aus VCP Perspektive - korrekterweise zwischen der historischen CPD und der heutigen CPD e. V. unterschieden werden. Beide Verbände berufen sich in unterschiedlichen Gewichtungen auf die Traditionen der historischen CPD.

1977 – Ein Großteil der Nibelungen tritt in die wieder neugegründete CPD ein und einige verbleiben im VCP, somit ist der Stamm gespalten: Es existieren ein Stamm Nibelungen CPD in der Bergkirche sowie ein Stamm Nibelungen Worms VCP in der Lutherkirche. Die Siedlung Hagen von Tronje ist von dieser Spaltung nicht betroffen und verbleibt im VCP. Im folgenden wird die weitere Entwicklung des Stammes Nibelungen Worms VCP dargestellt.

1976 – Edgar Droll wird Stammesführer und unser Stamm gewinnt den Rhönhajk.

1977 – Im folgenden Jahr findet eine Osternsternfahrt statt.

1979 – Ein mittelalterliches Nibelungenlager auf Burg Diemerstein wird in entsprechender Kostümierung gebührend gefeiert.

1980 – Hanno Schrecker wird Stammesführer und fährt im Sommer des Jahres mit 30 Leuten nach England, wobei gleich zu Beginn in Mainz die beiden Jüngsten verloren gehen; doch einige Stationen weiter wieder eingesammelt werden können.

1981 – Das Sommerlager bei Kusel bietet den Nibelungen die Gelegenheit sich in ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Bauen, zu üben - zum Beispiel einer „schwebenden“ sowie einer doppelstöckigen Kohte. Wahrscheinlich

1981 - Auf dem ersten Gausingewettstreit in Alsenborn belegt der Stamm mit dem „Nibelungenspiel“ den zweiten Platz.

1982 – Das im Jahr zuvor entstandene Gespann Hanno Schrecker und Emu (GvE), organisiert das Indianerpfingstlager. Im selben Jahr belegt zudem der Gauchor unter Emus Leitung den zweiten Platz im damals noch recht jungen Hamburger Singewettstreit.

1982 – Im Spätjahr rührt vor allem Gauführer Kalla kräftig die Werbetrommel für das kommende World Jamboree in Westkanada. Die Nibelungen stellen mit zehn Teilnehmern ein Fünftel der zum Jamboree fahrenden Alt-Burgunder und das gesamte Gauleben orientiert sich an dieser Großfahrt.

1983 fliegen dann 50 Alt-Burgunder, darunter wie gesagt zehn Nibelungen, zum Jamboree nach Westkanada.

1984 – Zwanzig Nibelungen wandern auf einer Sommerkarrentour mit Bollerwagen durch den Wasgau und an einem Novemberwochenende belegen die Nibelungen auf der Kuseler Burg Lichtenberg mit den Liedern „Die Ändern“ und „Eines Morgens“ den dritten Platz in einem Gausingewettstreit.

1985 – Edgar Martin wird am Buß- und Bettag Stammesführer.

1988 – Herbstlager in Imsbach. 1989 – Ins Dippelsbacher Osterlager an den Pfrimmquellen radeln die Nibelungen und befassen sich mit dem Thema Naturschutz. Gemeinsam mit dem Förster findet eine Waldführung statt.

1989 – Das Pfingstlager ist ein Gallierlager am Bärenbrunnerhof mit gewohnt legendärem schlechten Wetter.

1989 – Gautag in Lampertheim.

1989 – Auf dem Herbst(bau)lager des Stammes in Wachenheim werden mit Kothensauna, Seilbahn, Doppelkothe, etc. allerlei interessante Lagerbauten realisiert.

1989 – Michael Martin wird am Buß- und Bettag Stammesführer.

1990 – Beim Osterlager des Stammes in Waldleiningen wird der Stamm in der zweiten Nacht gleich zweimal von anderen Pfadfindergruppen überfallen.

1990 – Das Pfingstlager in Rhens bei Koblenz ist ein Landeslager unter dem Motto: „Eine Brücke lasst uns bauen“, von daher rührt auch noch das Holzschild mit dem „Nibelungen“ Schriftzug, das im Stübchen hing.

1991 – Gautag in Obrigheim.

1991 – Herbstfahrt im Pfälzer Wald.

1991 – Ein Lagerkonstrukt aus Stangen und Planen symbolisiert das Motto „Zeitpyramide“ des Elfe-und-Trolle-Pfingstlagers in Rimbach.

1991 – Auf dem Sommerlager im Altmühltal, genauer gesagt auf dem Galgenberg bei Altmannstein baut der Stamm Flösse und fährt anschließend mit selbigen auf der Altmühl.

1991 – Im September 1991 wird Jörg Bürgis Stammesführer. 

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